Meditationen des guten Affen
30.03.12
Bekanntlich regt sich in Menschen Widerstand, wenn sie sich bedroht fühlen. Weil sie ihren Selbstrespekt bedrohen, fürchten die Menschen die Intelligenten - Intellekt hat eine passiv-aggressive Wirkung. Die heutigen Verhaltensforscher, übrigens längst keine Psychologen mehr, können das erklären. Sie würden in ihre Magazine in etwa sowas schreiben: Die kognitive Überlegenheit ist ein kompetitiver Vorteil im gesellschaftlichen Wettbewerb, wobei sie aus versehentlicher intellektueller Redlichkeit vergessen, das Wesen und den Zweck dieses Wettbewerbs zu beschreiben.
Vor diesem Hintergrund ist es ein Privileg, als harmlos zu gelten, auch wenn das bedeutet, dass man dumm wäre. Der schlechte Affe sieht in der Dummheit eine Schande, vor allem in der eigenen; genauer gesagt schämt er sich für die Abwesenheit von Intellekt, was ja noch über das Kognitive hinausginge. Den guten Affen aber stört es nicht. Intellekt ist für ihn Selbstbehinderung. Vernunft ist für ihn eine Anhäufung von Vernünftgkeiten. Vielleicht wollte er diese Vernünftigkeiten einst wie Sakramente empfangen - heute dienen sie sicher nur seiner Belustigung. Der gute Affe ist ein bisschen stolz darauf, ein Dummkopf zu sein.
Der schlechte Affe ersucht die Vernunft, gerät aber zwangsläufig an die Eschatologie einer leeren Freiheit. Rationalität ist grenzenlos, sagen ihm ihre Apologeten, das Potenzial der Freiheit unendlich. Sie legen ihm die Hand an den Rücken und schieben ihn durch die Manege. Damit beginnt einmal mehr die große Schau: Der schlechte Affe will die Flucht aus seiner Affigkeit. Seine fatale kognitive Bevorteilung hat ihm offenbart, dass er in einem Gefängnis sitzt. Er tobt. Er ist intelligent, und das reißt ihn zu beschämenden Tölpeleien hin, deren epochale Blödheit beispiellos ist. Die Zuschauer lachen.
Die Intelligenten, schlechte Affen, haben es sicher nicht leicht. Sie müssen mit heiligem Ernst den Scheißwitz der Evolution erzählen, aber sie bekommen die Pointe nicht auf die Reihe. Man geht ja davon aus, dass die Intelligenten nach und nach aussterben. Und sie wissen es. Deswegen haben sie ihre Pläne mit den Menschen, den heiligen rasierten Artgenossen. Deswegen machen sie Tumult und Bambule. Deswegen lieben sie den Zorn und die Freiheit, sagen sie, wobei sie lediglich die Fesseln ihres überforderten Organismus' hassen.
Der gute Affe hat sich vom Versprechen befreit. Witze hat er ohnehin nie lustig gefunden. Read more...





