Studi Bolognese - Das Geheimrezept

28.02.12

Konfrontiert mit der Frage, wie erfolgreich oder weniger erfolgreich die seit 1999 laufende Bologna-Reform eigentlich sei, kennt das Bundesbildungsministerium nur eine Antwort: Läuft alles ganz großartig! Wenn man die Realität ausblendet.
Letzten Monat kam der neue ministeriale Bericht zur Umgestaltung der deutschen Hochschullandschaft raus. Er zeigt exemplarisch, woran sich Bildungspolitiker klammern, wenn sie auf den Erfolg ihrer Arbeit hinweisen wollen:

  • Erstes Argument für den Erfolg: Mittlerweile sind 85 Prozent der Studiengänge an deutschen Unis im Bachelor-Master-System aufgegangen.
  • Zweites Argument für den Erfolg: In Deutschland studieren mehr Menschen als je zuvor.
Dass das erste Argument lediglich angibt, wie sehr Bund und Länder gewissen Vorgaben nachkommen, ist unschwer zu erkennen. "Erfolg" ist hier nicht über den tatsächlichen Zustand des Bildungssystems definiert, sondern darüber, wie weit man das Bürokratische abgehandelt hat. Dieser - wie selbst Annette Schavan gegenüber der ZEIT bemerkt - von Bildungsfragen entkoppelte Prozess wird als Erfolg verkauft.
Das zweite Argument könnte als Erfolg verstanden werden, wenn man alles Weitere, was damit verbunden ist, ignoriert. Erst einmal ist die Anzahl an Immatrikulierten, für sich genommen, kein Indikator für die Attraktivität des Hochschulstudiums in Deutschland. Könnte man nicht genau so gut vermuten, dass jeder, der kein Abitur hat und nicht irgendwann studieren geht, von der Gesellschaft als minderwertig erachtet wird? Seine Arbeit als inferior? Seine Entlohnung als berechtigterweise minimal? Ist das Studium attraktiv - oder die letzte Rettung in einem Kampf Jeder gegen Jeden?
Davon hat uns Bologna gottseidank befreit:
Von Studiosi, die müßig und unter dem Einfluss von
hunderten Litern Pernod, mit Steuergeldern finanziert,
Komparatistik studieren und lieber selbstvergessen onanieren,
als malochen zu gehen und sich selbst zu entwickeln und
ihre ohnehin nutzlose Arbeit in den verkackten
Wertschöpfungsprozess zu speisen
Im Weiteren ist die Anzahl der Studenten doch relativ egal, wenn man Wert darauf legen würde, wie sie mit ihren Studienbedingungen zurechtkommen und vom Studium für sich selbst profitieren. Da kommt man zum ernüchternden Verdacht, dass der Profiteur nur die Entität Arbeitsmarkt ist - und damit profitieren wiederum Arbeitgeber, auf der Suche nach stressgeprüfter funktionaler Kompetenz. So ergibt es Sinn, die Studenten in Studiengängen zu prüfen, aus denen sie in Scharen direkt zur nächsten psychosozialen Beratung kriechen. Ein guter Plan! Erst die Studenten in den Hochschulen zusammenpferchen, dort die geistig-moralische Wende durch gezielte Nervenzusammebrüche herbeiführen, das betäubte Getier schlachten und heiß und fettig auf den Arbeitsmarkt kloppen. Studi Bolognese: Gelebtes Wissen - zumindest hat es mal gelebt. Für das Gütesiegel reicht das.

Wenn das die Punkte sind, an denen sich die Bildungspolitiker zwecks Verteidigung ihrer Arbeit klammern, dann muss man nicht erst die Kritiker fragen, was hier falsch läuft.

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