Elusive Knowledge

09.01.12

Das Epigramm für den modernen Toten.

Der hier ruhende Mensch suchte das gelungene Leben - sammelte sein Leben lang nur Splitter dessen auf, und war vergangen.
"Was wir haben, ist der vielfache Mensch, das
interessanteste Chaos, was es vielleicht bisher
gegeben hat." - Fozzie Nietzsche.
Der Witz meiner Lebenswirklichkeit ist, dass sie mir immer fremder wird, je mehr ich über sie zu erfahren glaube. Ich denke, ich bin darin nicht allein. Dieses Phänomen der Lebenswirklichkeit - sie ist ja nur ferne Erinnerung - ist wahrlich zerrissen, zerfetzt in Arbeitsprozesse, Wochenstunden, Kilowatt und Veranstaltungszyklen. Die Lebenswirklichkeit ist ein Sammelsurium mechanischer Rituale, in denen ich mich an der Vergegenwärtigung dessen versuche, was ich bin und wohin ich zurückfinde, nachdem ich eben am Kiosk Bier kaufen war.
In einer Welt, wo Kleinstkerne zu spalten einst ambitioniertes Hobby war, kommt alles tendenziell in den Schredder und wird dort zu macintosh-grauem Sand. Was hab' ich in dieser Welt noch? Bewusstsein? Dieses brüchige Konstrukt, dieser zarte Nebentrieb eines hungrigen Organismus, dieses große Paradoxon der Evolution? Ja, den löchrigen Begriff Bewusstsein habe ich. Den haben wir alle noch. Und Hunger haben wir. Und den Arbeitsmarkt.
Dazwischen ist etwas auf der Strecke geblieben. Die Einheit - die Lebenswirklichkeit. Die Kohärenz der Erfahrung spiegelt sich nicht in den enzyklopädischen Wissensangeboten, die uns die Wissenschaft liefert: So oft ich hinblicke, nur 00101011100100101010. Einige nennen das die Entzauberung der Welt. Vielleicht ist es eher so, dass die Welt einfach mit neuen Sprüchen belegt wird, flüchtigen, zermürbenden Versen von selbstvergessenen Magiern.

Elusive Knowledge. Wissen, das vor dir flieht, sobald du's erworben hast. Begonnen hat das Alles mit einem Missverständnis. Dass das, was wir in einen Rhythmus übertragen, mit und in Lauten und Zeichen zusammenkneten und protokollieren Teil einer Wahrheit ist, die auch zwangsläufig ohne uns Wahrheit sein muss. Eine metaphysische Spielerei, die zur Verdrängungsstrategie eines überforderten Organismus mutiert ist. Ein Trieb zur Auslagerung, endgültigen Verdunkelung dessen, was man wirklich ist, eine ruhelose Partikelschleuder, lediglich Knotenpunkt in einem Chaos aus Kräften, das zärtlch Logos genannt wird. Darin zeigt sich das Bewusstsein als das, was es doch immer war: Ein Kaleidoskop, flüchtig, ohne Rahmen, scheißenbunt und ohne Halt. Und wenn du reinguckst, verstehst du, wenn du reinguckst: Musst du dann fürchten, dass du sich selbst siehst? Oder dich gerade nicht siehst?

Share it

CC / Disclaimer

Creative Commons License
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Und bitte nicht den Disclaimer vergessen!

Zuletzt

Copyright by Lucas K., Anno MMVII - MMXI // Bringing feinsten Gedankenschmand to you since MMI

  © Blogger templates Newspaper by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP